Editorial
Wie widerstandsfähig ist unsere Gesellschaft in einer Welt multipler Krisen wirklich? Welche Rolle spielen Energieversorgung, technologische Abhängigkeiten und militärische Fähigkeiten für unsere Sicherheit? Und wie verändern neue Konflikträume vom Weltraum bis zur Arktis die geopolitische Lage Europas?
In einer angespannten Weltlage möchten wir Ihnen Einblick in die Agenda internationaler Thinktanks geben und zeigen, wo neue Trendlinien verlaufen, Gefahren lauern und Konflikte ausgetragen werden können. Aktuelle Studien zeigen: Sicherheit ist heute weit mehr als Verteidigungspolitik. Sie entsteht im Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und wird zunehmend zur Frage umfassender Resilienz.
Wir in der Konrad-Adenauer-Stiftung begleiten diese Debatte aktiv. Sicherheit und Resilienz sind für uns keine abstrakten Fragen, sondern politische Verantwortung. Wer Freiheit erhalten will, muss Abhängigkeiten abbauen, Widerstandsfähigkeit aufbauen und gesellschaftliche Eigenverantwortung stärken.
Bedrohungen benennen reicht nicht. Wir arbeiten an Antworten. In Deutschland, in Europa und weltweit.
Mehr als Desinformation: KI als Infrastruktur und autonomer Akteur
Warum Deutschland seinen Umgang mit hybriden Bedrohungen neu ausrichten muss
Lange Zeit diskutierten wir im Zusammenhang mit Desinformation und KI primär über Deepfakes und Bots in den Sozialen Medien. Die Studie KI und hybride Bedrohungen 2.0 – Warum Deutschland jetzt handeln muss der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik zeigt jedoch: KI beschleunigt nicht nur Desinformationskampagnen, sie wird immer häufiger selbst zur Infrastruktur, über die Menschen ihre Informationen suchen. Daraus resultiert eine neue Bedrohungslage: Ging es bisher vor allem um die Manipulation einzelner Inhalte, sprechen wir nun über die Prägung ganzer Informationsräume. Welche Inhalte werden angezeigt? Wie werden Informationen gewichtet und was wird weggelassen?
Lange Zeit diskutierten wir im Zusammenhang mit Desinformation und KI primär über Deepfakes und Bots in den Sozialen Medien. Die Studie KI und hybride Bedrohungen 2.0 – Warum Deutschland jetzt handeln muss der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik zeigt jedoch: KI beschleunigt nicht nur Desinformationskampagnen, sie wird immer häufiger selbst zur Infrastruktur, über die Menschen ihre Informationen suchen. Daraus resultiert eine neue Bedrohungslage: Ging es bisher vor allem um die Manipulation einzelner Inhalte, sprechen wir nun über die Prägung ganzer Informationsräume. Welche Inhalte werden angezeigt? Wie werden Informationen gewichtet und was wird weggelassen?
Wer diese Systeme kontrolliert, kann somit nicht nur steuern, was die Menschen zu Gesicht bekommen, sondern auch deren Sicht auf Gesellschaft und Politik beeinflussen. Noch brisanter sind autonome KI-Agenten: Diese Systeme bauen über einen langen Zeitraum persönliche Beziehungen zu ihrem Gegenüber auf und können subtil auf dessen Einstellungen und Verhalten einwirken. Dabei gibt es weder eine einheitliche Botschaft noch einen klaren Absender. Bisherige Kontrollmechanismen haben keine Chance, diese Beeinflussung aufzudecken und nachzuvollziehen. Auch sind die im Rahmen dieses Nähe- und Abhängigkeitsverhältnisses gewachsenen Ansichten in vielen Fällen kaum rückgängig zu machen.
Die Studie ist daher vor allem auch ein sicherheitspolitischer Weckruf: Im Zeitalter von KI muss Deutschland hybride Bedrohungen als dauerhaften Zustand begreifen. Zum Schutz der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedarf es daher eines proaktiven Handelns durch eine Vielzahl von Maßnahmen, etwa Kooperationen mit der Wissenschaft in Form von Forschungsförderung für ein breites Monitoring sowie verschiedenen Kennzeichnungs- und Transparenzpflichten. Der Staat darf keinesfalls erst dann reagieren, wenn Manipulation sichtbar wird. Denn dann wäre der Schaden bereits irreversibel.
Mehr zum Thema findet sich in der Studie von Chatham House Holding state-sponsored hackers and other cyber proxies to account, veröffentlicht am 25. März 2026, sowie in der Studie vom Aspen Institute Germany Hybrid Realities: Disinformation, Influencers, and the Defense of Democracy in Central and Eastern Europe, veröffentlicht im Dezember 2025.
Wer diese Systeme kontrolliert, kann somit nicht nur steuern, was die Menschen zu Gesicht bekommen, sondern auch deren Sicht auf Gesellschaft und Politik beeinflussen. Noch brisanter sind autonome KI-Agenten: Diese Systeme bauen über einen langen Zeitraum persönliche Beziehungen zu ihrem Gegenüber auf und können subtil auf dessen Einstellungen und Verhalten einwirken. Dabei gibt es weder eine einheitliche Botschaft noch einen klaren Absender. Bisherige Kontrollmechanismen haben keine Chance, diese Beeinflussung aufzudecken und nachzuvollziehen. Auch sind die im Rahmen dieses Nähe- und Abhängigkeitsverhältnisses gewachsenen Ansichten in vielen Fällen kaum rückgängig zu machen.
Die Studie ist daher vor allem auch ein sicherheitspolitischer Weckruf: Im Zeitalter von KI muss Deutschland hybride Bedrohungen als dauerhaften Zustand begreifen. Zum Schutz der Demokratie und des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedarf es daher eines proaktiven Handelns durch eine Vielzahl von Maßnahmen, etwa Kooperationen mit der Wissenschaft in Form von Forschungsförderung für ein breites Monitoring sowie verschiedenen Kennzeichnungs- und Transparenzpflichten. Der Staat darf keinesfalls erst dann reagieren, wenn Manipulation sichtbar wird. Denn dann wäre der Schaden bereits irreversibel.
Mehr zum Thema findet sich in der Studie von Chatham House Holding state-sponsored hackers and other cyber proxies to account, veröffentlicht am 25. März 2026, sowie in der Studie vom Aspen Institute Germany Hybrid Realities: Disinformation, Influencers, and the Defense of Democracy in Central and Eastern Europe, veröffentlicht im Dezember 2025.
Gesell­schaft­liche Resilienz: Das messen, was wirklich zählt
Ist Deutschland gewappnet?
Wie widerstandsfähig sind Europa und Deutschland im Ernstfall wirklich? Resilienz wird heutzutage nicht mehr nur in militärischer Stärke gemessen. In Zeiten von KI, Desinformationen und wirtschaftlicher Abhängigkeiten ist Resilienz längst eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe geworden. Der National Security & Resilience Index (NSRI) von PwC und der DGAP stellt erstmals einen Index vor, mit dem die Resilienz eines Staates in mehreren Dimensionen gemessen werden kann.
Der NSRI misst nicht nur Kennzahlen wie Verteidigungsausgaben, Truppenstärke oder Ausrüstung. Stattdessen wird untersucht, wie gut militärische Fähigkeiten, industrielle Leistungsfähigkeit und zivile Widerstandskraft zusammenspielen. Für Deutschland fällt das Ergebnis ambivalent aus. Zwar gibt es eine starke wirtschaftliche Grundlage, eine leistungsfähige Industrie und erhebliches militärisches Personenpotenzial. Zugleich verweist die Studie auf kritische Engpässe, etwa bei Energieimportabhängigkeit, Einsatzbereitschaft, Beschaffungsprozessen, gesellschaftlicher Mobilisierung und Datenlücken.
Besonders hervorgehoben wird, dass militärische Stärke zivile Verwundbarkeit nicht ausgleichen kann. Industrielle Kapazität bleibt wirkungslos, wenn Lieferketten, Notfallpläne und gesellschaftliche Akzeptanz fehlen. Damit trifft der NSRI einen Nerv: Energiesicherheit, Energieunabhängigkeit, Verteidigungsfähigkeit und gesellschaftliche Mobilisierung sind längst keine getrennten Politikfelder mehr. Vielmehr müsse Resilienz vernetzt über alle Akteure eines Staates hinweg gedacht werden. Der NSRI macht sichtbar, wo Verwundbarkeiten liegen und warum Sicherheit künftig nicht nur in Kasernen, sondern auch in Stromnetzen, Lieferketten, Verwaltungen, Unternehmen und Haushalten entschieden wird.
Wie sich Resilienz konkret umsetzen lässt, analysiert der Kommentar der Casimir Pulaski Foundation All hands on deck. Am Beispiel des Ostseeraums veranschaulicht er, wie zivile und staatliche Vorsorge im Rahmen von „Total Defense“ organisiert wird. Ergänzend dazu bietet eine weitere Leseempfehlung eine vergleichende Analyse: Das Research Paper Civil defence in Europe des International Institute for Strategic Studies zeigt, wo die europäischen Staaten sicherheitspolitisch stehen und welche Lücken weiterhin existieren.
Der neue Gasschock
Energie sparen statt Preise deckeln
EU-Gasimporte 2025
Der Krieg gegen den Iran und die Schließung der Straße von Hormus haben zu Verwerfungen an den globalen Energiemärkten geführt. Die Studie How Europe should respond to the Iran gas shock – and how it shouldn’t des Thinktanks Bruegel sieht hierbei jedoch keine Wiederholung der Gaskrise von 2022 nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. So passieren zwar circa 20 Prozent des weltweiten LNG-Gases, meist aus Katar stammend, die Straße von Hormus, jedoch machen die LNG-Lieferungen aus Katar nur etwa acht Prozent der LNG-Importe der EU aus. Somit ist die Gasversorgung der EU durch die Schließung der Straße von Hormus nicht unmittelbar gefährdet. Das eigentliche Risiko liegt laut der Studie vielmehr im verschärften Wettbewerb, insbesondere mit Asien, um nicht betroffene LNG-Lieferungen aus den USA. Die damit einhergehenden Preissteigerungen können sowohl Haushalte als auch die Industrie massiv belasten.
Die Studie warnt vor allzu einfachen Lösungen: Pauschale Preisdeckel, breit angelegte Subventionen oder gar eine Rückkehr zu russischem Gas mit der damit verbundenen Abhängigkeit seien abzulehnen. Statt die Preise also künstlich zu verbilligen, plädieren die Autoren für einen nüchternen Kurs: Gasspeicher müssten rechtzeitig aufgefüllt, der Gasverbrauch im Winter deutlich reduziert und die Nachfrage besser koordiniert werden. Gezielte Entlastungen sollte es nur für vulnerable Gruppen geben. Kurzfristig könnte man vermehrt auf Kohlekraftwerke setzen, mittel- bis langfristig jedoch den Ausbau von Wärmepumpen und erneuerbaren Energien vorantreiben, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern und zukünftige Preisschocks zu vermeiden.
Zur Frage, wie Asien auf den Preisschock beim Gas reagiert, finden sich Antworten in der Studie von ERIA: From Shock to Strategy: Strengthening ASEAN Energy Security and Economic Resilience after the Strait of Hormuz Disruption, veröffentlicht am 1. April. 2026.
Wenn Daten zu Munition werden
Was die Ukraine über die Zukunft des Krieges zeigt
Wie viele Soldaten braucht es, um eine Meile (circa 1,6 Kilometer) Front zu verteidigen? Zu Napoleons Zeiten waren dafür bis zu 20.000 Mann nötig. In der Ukraine genügen an der unmittelbaren Front teilweise 64 bis 96 Soldaten für dieselbe Strecke. Ermöglicht wird diese extreme Ausdünnung durch ein mithilfe von Drohnen nahezu lückenlos überwachtes Gefechtsfeld. Doch der eigentliche Wandel reicht weit über den Einsatz neuer Waffensysteme hinaus: Daten werden zu einer strategischen Ressource, die erfasst, ausgewertet und in militärische Wirkung übersetzt wird.
Die Studie Ukraine’s Drone War: The Rise of Machine-Speed Adaptive Hyperwar des Hudson Institute zeigt, wie sich die Ukraine mit günstigen Luft-, Boden- und Seedrohnen gegen die zahlenmäßig überlegenen russischen Streitkräfte behauptet. Im Zentrum steht jedoch mehr als der Einsatz unbemannter Systeme. Die Studie beschreibt, wie Drohnen, Sensoren, Software und KI zu vernetzten Gefechtsnetzwerken verschmelzen, die militärische Entscheidungen und Operationen erheblich beschleunigen. Zum strategischen Rohstoff werden dabei die im Einsatz erzeugten Daten. Die Ukraine verfügt über einen einzigartigen Bestand an Bild-, Ziel- und Sensordaten, mit dem KI-Systeme für Zielerfassung, Artilleriekorrektur, elektronische Kampfführung und Manöverplanung trainiert werden können.
Die NATO muss aus diesen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen. Sie benötigt eine günstigere Drohnenabwehr, um die Kostenasymmetrie zwischen billigen Angriffsdrohnen und teuren Abfangraketen zu verringern. Ebenso notwendig sind kürzere Innovationszyklen: Die Entwicklung westlicher Waffensysteme dauert häufig 10 bis 20 Jahre, zu lange für das Tempo moderner Kriegsführung. Schließlich muss das Bündnis seine Abhängigkeit von China reduzieren. Dem Bericht zufolge kontrolliert das Land 80 bis 90 Prozent des globalen Drohnenmarktes. Zentrale Rohstoffe und Komponenten, von Batteriezellen bis zu Motoren und Sensoren, stammen aus chinesisch dominierten Lieferketten. Diese Abhängigkeit stellt ein erhebliches strategisches Risiko dar.
Zugleich wird anhand der Situation der Ukraine deutlich: Moderne Konflikte werden längst nicht mehr allein auf dem Schlachtfeld entschieden. Neben Drohnen und digitalen Gefechtsnetzwerken gewinnen auch Cyberangriffe, Sabotage und andere hybride Mittel an Bedeutung.
Wir empfehlen daher einen Blick auf den The Everywhere War – Sub-Threshold Warfare Tracker. Dort finden Sie eine fortlaufende Übersicht über militärische Provokationen, Cyberattacken, Sabotageakte und andere hybride Operationen Russlands gegenüber europäischen Staaten.
Deutschlands Blick nach Norden
Warum die Arktis an sicherheitspolitischer Bedeutung gewinnt
In den vergangenen Jahren blickte man primär aus der Perspektive der Klima- und Umweltforschung auf die Arktis: Die Bilder schmelzender Polkappen standen beispielhaft für die Folgen der Klimaerwärmung. Doch während das Eis schwindet, wächst die strategische Bedeutung der Region: Unter dem Eis liegen begehrte Rohstoffe, neue Seewege rücken in greifbare Nähe – und mit ihnen das Interesse der Großmächte. Die Studie Deutschland als arktischer Sicherheitsakteur – Neue Leitlinien deutscher Arktispolitik unter schwierigen Bedingungen der Stiftung Wissenschaft und Politik macht deutlich: Deutschland darf die Arktis nicht länger als entlegene Randregion der Weltpolitik behandeln.
Als exportorientierte Nation ist Deutschland auf stabile Lieferketten und sichere Seewege, basierend auf einer regelbasierten Ordnung, angewiesen. Auch können die Rohstoffe aus der Arktis zur Diversifizierung, etwa bei Lithium, Nickel und Kobalt, führen und so Abhängigkeiten von China reduzieren. Zwar hat die damalige Bundesregierung im Jahr 2024 erstmals Leitlinien deutscher Arktispolitik definiert, jedoch bleiben diese nach Ansicht der Autoren an zentralen Stellen zu allgemein. So bekennt sich Deutschland zu den Grundsätzen der regelbasierten Ordnung und dem Ziel der Sicherheit und Stabilität in der Arktis, es fehlt jedoch an einer klaren Vorstellung, wie diese Ziele praktisch erreicht werden. Aus den Leitlinien muss daher eine klare Strategie erwachsen mit klarer Prioritätensetzung, Ressourcenmanagement und einem realistischen Blick auf die veränderte Sicherheitslage.
Zukünftig muss Deutschland seine Interessen in der Arktis aktiv vertreten und mithilfe von politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Mitteln durchsetzen. Dafür bedarf es einer engeren Abstimmung mit EU und NATO, wobei auch das sich wandelnde Verhältnis zu den USA unter Donald Trump Berücksichtigung bei der neuen Arktisstrategie finden sollte.
Mehr zu Russlands Rolle und zum Konfliktpotential in der Arktis findet sich in der RAND-Studie: Russia in the High North: Russian Strategy and Escalation Risks in the High North After the Russia-Ukraine War | RAND, veröffentlicht im Februar 2026.
Neue Handelsrouten
Krieg der Satelliten
Zukunftsmusik oder bereits Realität?
Mit dem zunehmenden technologischen Fortschritt rückt das Weltall immer weiter in den Fokus globaler Spannungen. Seit der Mondlandung 1969 ist dieser Fortschritt immens. Die Rechenleistung eines heutigen iPhones beträgt etwas mehr als das Millionenfache des Apollo Guidance Computers (AGC) der Apollo-11-Mission. So ist es nicht verwunderlich, dass Fähigkeiten, Missionen im Weltraum durchzuführen, auf dem „Schlachtfeld“ der Zukunft unabdingbar sind. Satelliten ermöglichen zentrale Funktionen moderner Gesellschaften, z. B. Kommunikation, Navigation, Wetterdaten, militärische Aufklärung und Einsatzführung. Genau deshalb rücken sogenannte Counterspace Capabilities immer stärker in den Fokus: Fähigkeiten, mit denen Staaten Weltraumsysteme aufklären, stören, blenden oder sogar zerstören können.
Der aktuelle Bericht der Secure World Foundation, Global Counterspace Capabilities 2026, beleuchtet, wie 13 Staaten (darunter USA, Russland, China und Indien) ihre militärischen Weltraumfähigkeiten ausbauen. Die Ergebnisse zeigen: Der Wettlauf im All beschleunigt sich. Zwar werden in aktuellen Konflikten bislang vor allem nicht-destruktive Mittel wie elektronische Störung und Cyberoperationen eingesetzt, doch Forschung, Tests und militärische Konzepte entwickeln sich rasant weiter. Der Bericht verweist unter anderem auf ein wachsendes Interesse an „Bodyguard“-Satelliten, chinesische Experimente im Orbit, russische Rendezvous- und Proximity-Operationen, neue US-Doktrinen zu dynamischen Weltraumoperationen sowie eine deutliche Zunahme von Jamming und Spoofing in Konfliktregionen.
Der technologische Fortschritt trifft auf eine fragile internationale Sicherheitsordnung und ein vergleichsweise dünnes Regelwerk im All. Der Outer Space Treaty von 1967 bildet bis heute das Fundament des Weltraumrechts; er verbietet insbesondere die Stationierung von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen im Orbit, untersagt aber nicht jede militärische Nutzung des Weltraums. Der Counterspace Capabilities Report macht sichtbar, welche Operationen im All bereits heute möglich sind und warum die nächste sicherheitspolitische Krise womöglich nicht auf der Erde beginnen könnte, sondern über ihr.
Die zunehmenden Spannungen im Weltraum wurden im April 2025 durch die Begegnung zwischen dem US-amerikanischen Aufklärungssatelliten USA 324 und den chinesischen Satelliten TJS-16 und TJS-17 deutlich. Im Rahmen einer sogenannten Rendezvous- und Proximity-Operation näherte sich der US-Satellit den chinesischen Systemen, um deren Eigenschaften und mögliche Fähigkeiten aus nächster Nähe zu analysieren. Der Vorfall verdeutlicht, wie der Weltraum zunehmend zu einem strategischen Konkurrenzraum zwischen den Großmächten wird. Ähnliche Entwicklungen im europäischen Kontext werden im RAND-Kommentar How Russia Is Intercepting Communications from European Satellites (2026) beleuchtet.
An dieser Ausgabe mitgearbeitet haben:
Team KALUZA + SCHMID Studio, Leander Apel, Bogdan Miftakhov, Katja Plate, Philipp Schmitt, Sophie Steybe
Quellen
(1) Muñoz, Katja (2026): KI und hybride Bedrohungen 2.0, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V., Berlin.
(2) Behne, Paul Malte & Florian Andresen (2026): Measuring What Matters – Introducing the National Security & Resilience Index (NSRI), PWC, Frankfurt am Main.
(3) Keliauskaitė, Ugnė et al. (2026): How Europe should respond to the Iran gas shock – and how it shouldn’t, Bruegel, Brüssel.
(4) Burstedde, Alexander & Paula Risius & Hubertus Bardt (2025): Wehrpflichtsdebatte: Attraktivität der Bundeswehr entscheidend, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.
(5) Adrians, Helge et al. (2025): Deutschland als arktischer Sicherheitsakteur, Stiftung Wissenschaft und Politik,, Berlin
(6) Samson, Victoria & Kathleen Brett (2026): 2026 Global Counterspace Capabilities Report, Secure World Foundation, Washington, DC.
